Marksteine für Bildung mit Freude und Lernen ohne Schulzwang

ARTIKEL ZU BILDUNGSSYTEME DER ZUKUNFT

Demokratische „Schulen“ und demokratische Bildung

Vortrag von Marko Koskinen anlässlich des 30. Kolloquium des Europäischen Forum für Freiheit im Bildungswesen – European Forum for Freedom in Education (effe) im Juni 2006 in Hesinki, Finnland

Marko Koskinen hat vor etwa zehn Jahren Alice Miller gelesen, was für ihn persönlich eine Art Offenbarung war. Dann interessierte er sich für Summerhill. Er erzählte aus seiner eigenen Vergangenheit, bevor er über seine Vision eines zukünftigen Bildungssytems sprach.

„Als ich erkannte, dass viele Jugendliche in der Schule leiden, fragte ich mich, was ich machen konnte, um die Dinge zu verändern. Es ist wahr, dass junge Menschen fast alles aushalten und überleben können, aber solche Situationen müssen vermieden werden. Ich forschte, wie man ihnen helfen könnte, damit sie sich in ihrer Haut wohl fühlen, und wie man vermeiden könnte, dass die Schule sie aus dem Gleichgewicht bringt. Anfänglich dachte ich, dass ich die Lehrerbildung verändern könnte. Deshalb schrieb ich mich an der Universität Helsinki für ein Lehramtsstudium ein. Aber ich erkannte, dass man uns genauso unterrichtete wie in den Schulen. Also beschloss ich, mit anderen Studenten zusammen eine Gruppe zu gründen und zu verweigern, an der Universität mit Tests, Prüfungen und so weiter zu lernen. Wir trafen uns mit dem Direktor unserer Fakultät und fragten ihn, wie wir es anders machen könnten. Er schickte uns zu einem Professor, der begeistert davon war, eine neue Methode zu finden, um Lehrer auszubilden. Professor Kristi Lonka und andere waren Mitglieder dieser Gruppe, und wir fanden neue Wege des Lernens.

Nach dieser Erfahrung dachte ich, dass ich nun im traditionellen Schulsystem unterrichten konnte, aber ich wollte meine Ausbildung ergänzen. Ich ging in die USA, um mich an der Sudbury Valley School – einer demokratischen Schule – während eines dreimonatigen Aufenthaltes dort weiterzubilden. Als ich zurück kam, hatten sich meine beruflichen Vorstellungen etwas verändert, und ich entschied mich, meine eigene Schule zu gründen, um einigen Jugendlichen zu helfen. Um aber rechtlichen Schwierigkeiten aus dem Weg zu gehen, die im Zusammenhang mit der Gründung einer alternativen Schule auftraten, erinnerte ich mich ans Homeschooling, das in Finnland legal ist. Alle Jugendlichen sind nun also als Heimschüler gemeldet. Wir treffen uns von Zeit zu Zeit in einer Bibliothek unseres Viertels.

Homeschooling ist in Finnland völlig legal, und es gibt keine Bestimmungen über Kontrollen im Gesetz. Die Kontrolle erfolgt durch Inspektoren auf lokaler Ebene. Oft prüfen die Inspektoren die Jugendlichen in verschiedenen Fächern, aber eine andere mögliche Vorgehensweise ist, eine Dokumentation der durchgeführten Projekte vorzulegen.

Meine Erfahrung hat mich dazu gebracht, über das System der Zukunft nachzudenken. Ich denke, dass wir uns klar darüber werden müssen, welche Art Gesellschaft wir wollen. Darüber müssen wir nachdenken um zu entscheiden, welche Art der Bildung wir für die kommenden Generationen wünschen. Meine Vorstellungen sind: Ich wünsche mir eine Gesellschaft

  • wo man sich gegenseitig nicht verletzt,
  • wo man jeden Menschen in seiner Individualität als wertvoll betrachtet,
  • wo sich die Menschen intelligent verhalten (das heißt, ohne den anderen zu schaden, und mit einem ausreichenden Bewusstsein, um dies zu vermeiden),
  • wo man sich sicher und geliebt fühlt.

Meiner Meinung nach ist es unvermeidbar, solch eine Art Gesellschaft anzustreben.

Wie würde das Bildungssystem in dieser zukünftigen Gesellschaft aussehen?

  • Es gäbe kein Lernen unter Zwang
  • und keine Pflichtfächer.
  • Das Lernen ginge von der natürlichen Neugierde aus.
  • Das Lernen wäre individuell und sozial.
  • Die Bedeutung des Spieles als grundlegendes Element des Lernens würde betont werden, und zwar für Menschen jeden Alters.
  • Die Bildungssysteme würden auf Chancengleichheit beruhen.“

Ausschnitt aus „Ein Bericht vom effe-Kolloquium in Helsinki“ auf bildungsfreiheit.org

1 Kommentar »

  1. […] sollen, sehr häufig nicht genehmigt. Diese Praxis müsste sich dringend ändern: In einem Bildungssystem der Zukunft würde die Bedeutung des Spieles als grundlegendes Element des Lernens betont werden, und zwar für […]

    Pingback von WELTSPIELTAG « Lernen ohne Schulzwang — 29. Mai 2008 @ 7:21 am


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