Marksteine für Bildung mit Freude und Lernen ohne Schulzwang

8. September 2008

WELTBILDUNGSTAG – WELTALPHABETISIERUNGSTAG

08. September: Weltbildungstag/Weltalphabetisierungstag, UNESCO, 1966 proklamiert, seit 1967

Zum heutigen Gedenktag möchte ich auf eine Artikelserie bei dieGesellschafter.de hinweisen:

Kapitel 1

„In Deutschland ist das Menschenrecht auf Bildung erfüllt!“ Ein Satz, der auf den ersten Blick zu stimmen scheint: Anders als in einem Entwicklungsland hat jedes Kind das Recht auf einen Schulplatz, die Eltern müssen kein Schulgeld zahlen und mit dem entsprechenden Abschluss steht jedem jungen Erwachsenen der Weg ins Studium offen. Umso konsternierter waren viele, als der UN-Sonderberichterstatter für Bildung, Vernor Munoz Villalobos, bei seiner Inspektionsreise im April dem deutschen Bildungssystem die Leviten las: Die frühe Verteilung auf verschiedene Bildungszweige hindere Kinder in Deutschland daran, ihr volles Potential auszuschöpfen. Außerdem sei die Infrastruktur für Schüler mit Behinderungen unzulänglich. Villalobos beschämendes Fazit: „Ich habe das Gefühl, dass sich das deutsche Bildungssystem nicht darauf konzentriert, alle einzubeziehen, sondern eher Trennungen schafft.“
Nicht zu den PISA-Besten zu gehören, kratzt am Selbstbewusstsein. Systematisch gegen wesentliche Punkte des Menschenrechts auf Bildung zu verstoßen, trifft eine demokratische Gesellschaft ins Mark. Vor allem Kindern aus sozial schwächeren Schichten und Migrantenkindern wird die in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ garantierte Bildung vorenthalten. Aber auch Kinder mit Behinderungen und Hochbegabungen lernen meist weniger als sie könnten. „Unser Bildungssystem ist auf Homogenität angelegt“, sagt Andreas Hinz, Rehabilitationspädagoge an der Universität Halle. Wer nicht ins Raster passt, hat Pech gehabt.
War die Zahl der vermeintlichen Bildungsversager vor zwanzig Jahren gesellschaftlich noch verkraftbar, sieht es heute anders aus. Nicht einzelne Kinder, sondern gleich ganze Klassen und Jahrgangsstufen fallen aus dem System heraus. Dabei bleiben neben den persönlichen Entwicklungschancen auch fundamentale Kulturtechniken auf der Strecke. Bei der ersten PISA-Studie erreichten deutsche Schüler bei der Lesekompetenz nur den 28. von 32 Plätzen. 23 Prozent der 15-Jährigen wurden deshalb als nicht-ausbildungsfähig eingestuft. Bei 25 Prozent reichten die mathematischen Kenntnisse nicht aus. Selbst der sonst so verschmähte Hauptschulabschluss wirkt da wie ein Lottogewinn: Nur 17,7 Prozent der Haupt- und Sonderschüler haben ihn 2002 erreicht.
Die restlichen 82,3 Prozent führt das Bildungssystem in Qualifikationsprogramme und das Sozialsystem. Für eine demokratische Gesellschaft ist das mehr als nur ein moralisches Armutszeugnis. Bildung ist die zentrale Voraussetzung, um in einer sozialen Gemeinschaft leben zu können und die Verwirklichung anderer Menschenrechte zu fördern. Außerdem bietet sie Zugang zur Kultur, die wiederum den Zusammenhalt des Staates stärkt. Und letztlich ist das Bildungssystem auch für den ökonomischen Erfolg eines Landes entscheidend: Wer Weltwirtschaftsmacht sein möchte, darf nicht zur Bildungsbananenrepublik verkommen.

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Zum Thema Alphabetisierung finden Sie mehr unter folgenden Links:

Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V.
Lesen in Deutschland
BR-online: Wenn das A und O im Alltag fehlt
und ein Blick über die Grenzen: Zentralschweizer Bildungsserver

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